Kontakt zu Großeltern prägt Bild, das Kinder von älteren Menschen haben

Altersfeindlichkeit – stereotype Vorstellungen von älteren Menschen, die zu Vorurteilen und Diskriminierung älterer Menschen führen - tritt häufig bei jungen Erwachsenen auf und kann bereits bei Kindern im Alter von 3 Jahren beobachtet werden. Eine belgische Studie suchte nach den Faktoren, die dieser Form der Diskriminierung zugrunde liegen. Es zeigte sich, dass das Verhältnis zu den Großeltern einen großen Einfluss darauf hat, ob Kinder Vorurteile gegenüber älteren Menschen entwickeln.

Die belgischen Wissenschaftler von der Universität Lüttich beobachteten, dass Vorurteile gegenüber älteren Menschen bei Kindern und Jugendlichen im Allgemeinen im Alter von 10 bis 12 Jahren abnehmen und dass junge Menschen, die sagen, dass sie einen sehr guten Kontakt zu ihren Großeltern haben, die geringste Altersfeindlichkeit an den Tag legen. Die Studie erschien in der Zeitschrift „Child Development“.

Qualität der Beziehung spielt große Rolle

"Der wichtigste Faktor, der mit Vorurteilen gegenüber älteren Menschen in Verbindung gebracht werden konnte, war eine schlechte Beziehung zu den Großeltern", erklärte Allison Flamion, eine Doktorandin der Psychologie an der Universität Lüttich, die das Forschungsteam leitete. "Wir haben die Kinder gebeten, zu beschreiben, wie sie sich fühlten, wenn sie ihre Großeltern besuchten. Diejenigen, die sich nicht darüber freuten, teilten wir in die Gruppe der Heranwachsenden mit einer schlechten Beziehung zu den Großeltern ein. Wenn es um Meinungen bezüglich des Alters ging, stellten wir fest, dass die Qualität des Kontakts eine größere Rolle als die Häufigkeit der Besuche spielte."
Um Aspekte der Altersdiskriminierung zu untersuchen, befragten die Forscher 1.151 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 16 Jahren im französischsprachigen Teil Belgiens. Die Jugendlichen waren in erster Linie hellhäutig, aus städtischen und ländlichen Gebieten und stammten aus verschiedenen sozioökonomischen Schichten. In Fragebögen sollten die Kinder und Jugendlichen über ihren Gedanken zum Alter und zu Senioren Auskunft geben. Die Experten sammelten auch Informationen über die Gesundheit der Großeltern der Heranwachsenden, wie oft sich beiden Generationen sahen und wie die Minderjährigen ihre Beziehung zu ihren Großeltern empfanden.
Im Allgemeinen waren die von den Kindern und Jugendlichen geäußerten Ansichten über ältere Menschen neutral oder positiv. Mädchen hatten etwas positivere Ansichten als Jungen; Mädchen neigten auch dazu, ihr eigenes Altern positiver zu sehen, so die Forscher.

In den verschiedenen Altersstufen wechselte das Bild häufig, das Heranwachsende von älteren Menschen hatten. Die 7- bis 9-Jährigen gaben die meisten Vorurteile an, und die 10- bis 12-Jährigen zeigten am wenigsten Vorurteile, so die Studie. Ähnlich durchlaufen andere Vorurteile und diskriminierende Haltungen verschiedenen Phasen (z.B. in Bezug auf ethnische Zugehörigkeit oder Geschlecht), und diese Phasen stehen im Einklang mit kognitiv-entwicklungstheoretischen Theorien: Zum Beispiel erlangen Kinder ab dem 10. Lebensjahr die Fähigkeit, die Perspektiven zu wechseln und in diesem Altern verringern sich auch bisher vorhandene Vorurteile. Aber als die Teilnehmer der Studie zu Jugendlichen heranwuchsen, nahmen die Vorurteile gegenüber älteren Menschen wieder zu: Unter 13- bis 16-Jährigen zeigten viele große Vorteile gegenüber älteren Menschen.

Die Gesundheit der Großeltern hatte ebenso einen Einfluss auf das Bild, das Teenager von Senioren und Seniorinnen hatten: Junge Menschen mit Großeltern, denen es gesundheitlich schlecht ging, tendierten im Vergleich zu Jugendlichen, deren Großeltern sich einer guten Gesundheit erfreuten, eher zu einer feindseligen Haltung gegenüber Älteren.

Der wichtigste Faktor, der die Sichtweise von Jugendlichen auf ältere Menschen beeinflusste, war die Qualität ihrer Beziehung zu ihren Großeltern. Die Studie charakterisierte den Kontakt der Jugendlichen als gut oder sehr gut, wenn sie sagten, dass sie sich freuten oder sehr freuten, wenn sie ihre Großeltern sahen und Kontakt mit ihnen hatten. Diejenigen, die ihren Kontakt mit den Großeltern als gut oder sehr gut bezeichneten, hatten gegenüber älteren Menschen positivere Gefühle als diejenigen, die den Kontakt weniger positiv beschrieben. Darüber hinaus profitierten sowohl Kinder mit den größten Vorurteilen als auch Kinder mit den wenigsten Vorurteilen von einem guten Kontakt zu den Großeltern. Jungen schienen mehr als Mädchen von einem qualitativ hochwertigen Kontakt zu profitieren.

Auch die Häufigkeit der Kontakte spielte eine Rolle, obwohl dieser Faktor einen wesentlich geringeren Einfluss hatte: Die 10- bis 12-Jährigen, die ihre Großeltern mindestens einmal pro Woche sahen, hatten die positivsten Ansichten gegenüber älteren Menschen, vermutlich aufgrund des multiplikativen Effekts von Häufigkeit und Qualität zusammen, schlagen die Forscher vor.
"Für viele Kinder sind Großeltern der erste und häufigste Kontakt mit älteren Erwachsenen", bemerkt Stephane Adam, Professorin für Psychologie an der Universität Lüttich, die die Studie mitverfasst hat. "Unsere Ergebnisse weisen auf das Potenzial der Großeltern als Teil von generationenübergreifenden Programmen hin, um Altersdiskriminierung zu verhindern. Als Nächstes wollen wir herausfinden, was die Kontakte zu Großeltern für ihre Enkelkinder lohnender macht und welche Auswirkungen es auf Kinder hat, wenn sie mit ihren Großeltern zusammenleben und sich auch um sie kümmern.“

Quelle: Science Newsline, Child Development

23.03.2018 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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