Parodontitis: Eltern übertragen Bakterien auf Kinder

Eine Studie von brasilianischen, amerikanischen und kanadischen Forschern bestätigt wieder, wie wichtig es ist, Zahnfleischentzündungen frühzeitig vorzubeugen. Denn Erwachsene mit Parodontitis übertragen die Zahnfleischentzündungen auslösenden Bakterien auf ihre Kinder. Diese Bakterien bleiben dann in der Mundhöhle, auch wenn die Kinder sich verschiedenen Behandlungen unterziehen.

Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnfleischs bzw. Parodontiums, des Gewebes, das die Zähne stützt und sie im Kiefer- und Unterkieferknochen fixiert. Die Krankheit wird durch eine bakterielle Infektion ausgelöst. Symptome sind Blutungen des Zahnfleisches und Mundgeruch. In schweren Fällen führt parodontitis zu Kieferknochen- und Zahnverlust. Wenn die Bakterien oder andere Mikroorganismen, die die Krankheit verursachen, in den Blutkreislauf gelangen, können sie u.U. andere Arten von Entzündungen im Körper auslösen.
„Die Mundflora der Eltern hat Einfluss für die mikrobielle Besiedelung der Mundhöhle ihrer Kinder“, so die Autoren des Artikels in ihren Schlussfolgerungen und fügen hinzu, dass „dysbiotische Mikrobiota, die von Kindern von Parodontitis-Patienten in einem frühen Alter erworben wurden, […]  sind“.

Laut der Zahnärztin Mabelle de Freitas Monteiro, Erstautorin des Artikels, erforschen sie und ihre Gruppe seit zehn Jahren Parodontitis und beobachten Eltern mit der Krankheit und ihren Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Kinder.

„Wenn die Erkenntnisse auf die tägliche zahnärztliche Praxis übertragen werden, kann die Studie dazu beitragen, direktere Ansätze zu entwickeln. Das Wissen, dass Parodontitis die Familie des Patienten beeinträchtigen kann, ist ein Anreiz, eine vorbeugende Behandlung zu nutzen, eine Frühdiagnose zu stellen und Komplikationen zu verringern“, sagte Monteiro.
Der leitende Wissenschaftler für beide Projekte war Renato Corrêa Viana Casarin, Professor an der Piracicaba Dental School (FOP) von UNICAMP und letzter Autor des Artikels.

Mundgesundheit schon im frühen Kindesalter von Bedeutung

Für Casarin sollten Eltern schon im Säuglingsalter beginnen, sich um die Gesundheit des Zahnfleisches ihrer Kinder zu kümmern. „Diese bahnbrechende Studie vergleicht Eltern mit und ohne Parodontitis. Bei ersteren fanden wir bereits in sehr jungen Jahren eine entsprechende bakterielle Besiedelung des Zahnfleisches. Das „Erben“ des Problems bedeutet jedoch nicht, dass ein Kind dazu bestimmt ist, die Krankheit im Erwachsenenalter zu entwickeln. Daher ist es wichtig, nach den kleinsten Anzeichen Ausschau zu halten und sich spezialisierte Hilfe zu suchen“, mahnte Casarin.

Bakterien

In der von Casarin und Monteiro geleiteten FOP-UNICAMP-Studie wurden Proben von subgingivalem Biofilm und Plaque von 18 Erwachsenen mit einer Vorgeschichte von generalisierter aggressiver (Grad C) Parodontitis, ihren Kindern im Alter von 6-12 Jahren und 18 oral gesunden Erwachsenen entnommen.

Neben einer klinischen Analyse wurden die Proben von Forschern der Ohio State University in den USA unter der Leitung von Professor Purnima Kumar auch einer mikrobiologischen Analyse und genetischen Sequenzierung unterzogen.

„Die Mundhöhle von Kindern, deren Eltern Parodontitis hatten, wurde bevorzugt von Filifactor alocis, Porphyromonas gingivalis, Aggregatibacter actinomycetemcomitans, Streptococcus parasanguinis, Fusobacterium nucleatum und mehreren Arten der Gattung Selenomonas auch ohne Parodontitis besiedelt“, heißt es in dem Artikel.

Casarin verdeutlichte gegenüber Agência FAPESP, dass die Kinder von Eltern mit Zahnfleischentzündungen trotz bakterieller Plaquekontrolle und kräftigem Zähneputzen meist immer noch die Bakterien im Mund aufwiesen, während bei den Kindern gesunder Probanden Zahnhygiene und Prophylaxe deutlich mehr wirksam war.

Möglicherweise kann vorbeugende Behandlung in der Schwangerschaft helfen

„Weil die Eltern Parodontitis hatten, nahmen ihre Kinder diese Bakterien mit auf. Sie behielten die bakterielle Besiedlung bis ins Erwachsenenalter hinein“, erklärte er und fügte hinzu, dass die Analyse der bakteriellen Besiedelung auf eine größere Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch die Mutter hinweist. Die Forschergruppe wird nun mit schwangeren Frauen daran arbeiten, den „Kreislauf zu durchbrechen“, indem sie die bakterielle Besiedlung des Mundes ihrer Kinder verhindert.

„Wir werden die Mütter während der Schwangerschaft behandeln, bevor die Babys geboren werden, und versuchen herauszufinden, ob es möglich ist, eine bakterielle Besiedlung zu verhindern“, so Casarin und ergänzte, dass die Studien mit Patienten nur fortgesetzt werden, wenn die Kontrolle der Pandemie es zulässt.

Quellen: EurekAlert, Nature - Scientific Reports




16.07.2021 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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