Studie: Zusammenhang zwischen Antidepressiva-Einnahme und erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes?

Die amerikanische Studie, die am 16. Oktober in „JAMA Pediatrics „veröffentlicht wurde, ist die erste bevölkerungsbasierte Studie, die das Risiko von pädiatrischen Patienten, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, nach Beginn der Behandlung mit einem Antidepressivum umfassend untersuchte.

"Antidepressiva sind eine der am häufigsten verwendeten psychotropen Medikamente bei Jugendlichen in den Vereinigten Staaten, wobei Serotonin-Wiederaufnahmehemmer einen Großteil der in dieser Bevölkerung genutzten Antidepressiva ausmachen", erklärtet Mehmet Burcu, der die Studie für seine Dissertation leitete. "Unsere Ergebnisse liefern neue Informationen über das Risiko einer seltenen, aber schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkung, die in klinischen Studien bisher aufgrund der begrenzten Stichprobengröße und der unzureichenden Nachsorge oft schwer einzuschätzen war."

Laut Burcu und Kollegen hat sich der Anteil von Kindern und Jugendlichen in den Vereinigten Staaten, die in den letzten zwei Jahrzehnten Antidepressiva einnahmen, deutlich erhöht - von 1,5% in den Jahren 1996-1998 auf 2,6% in den Jahren 2010-2012. Obwohl eine Reihe von Studien einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Antidepressiva und dem Risiko für Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen nachgewiesen haben, blieben Belege für ein ähnliches Risiko bei Kindern und Jugendlichen begrenzt.

Für ihre Studie analysierten Burcu und sein Team Medicaid-Daten von fast 120.000 Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 20 Jahren aus Kalifornien, Florida, Illinois und New Jersey, die zwischen dem 1. Januar 2005 und dem 31. Dezember 2009 aufgrund einer depressiven Störung, einer Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung und einer Angststörung eine Behandlung mit einem Antidepressivum begonnen hatten. Zu den Medikamenten, die Patienten verschrieben wurden, gehörten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, trizyklische oder andere zyklische Antidepressiva und andere Antidepressiva.

Das Team untersuchte Diagnosen von Diabetes bei aktuellen Antidepressiva-Nutzern im Vergleich zu früheren Nutzern. Sie verglichen die Heranwachsenden, die Antidepressiva einnahmen, bewusst nicht mit Kindern und Jugendlichen, denen niemals ein Antidepressivum verschrieben wurde. "Dieser Ansatz stellte eine methodische Stärke unserer Studie dar, da der Vergleich der aktuellen Nutzer mit Nicht-Nutzern möglicherweise aufgrund verschiedener Faktoren zu verzerrten Annahmen führen könnte, beispielsweise zu Verzerrungen durch Indikationen und Unterschiede bei der medizinischen Versorgung", so Burcu.
Die Wissenschaftler ermittelten 233 Fälle von Typ-2-Diabetes bei 156 Heranwachsenden, die aktuell Antidepressiva einnahmen, 77 Diabetes-Diagnosen bei ehemaligen Nutzern. Dies weist darauf hin, dass die laufende Anwendung von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen mit einem zweifach erhöhten Risiko, Typ-2-Diabetes zu entwickeln, verbunden war.

Darüber hinaus bewertete das Team bei den aktuellen Anwendern das Risiko einer Diabeteserkrankung in Abhängigkeit von der Dauer der Anwendung, der kumulativen Dosis und der durchschnittlichen Tagesdosis. Diese Sekundäranalyse zeigte, dass das Diabetes-Risiko für Kinder und Jugendliche, denen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verschrieben wurden, mit zunehmender Anwendungsdauer (Langzeitanwendung), kumulativer Dosis und durchschnittlicher Tagesdosis weiter zunahm.

"Das erhöhte Risiko für Typ-2-Diabetes nach längerem Gebrauch von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern in der Jugend wird durch diese Ergebnisse eindeutig bestätigt, wobei die Daten eine größere Wirkung auf die Jugendlichen zeigen, denen die Medikamente über längere Zeiträume und in höheren Dosen verschrieben wurden", so Professor Dr. Daniel J. Safer von der Johns Hopkins University School of Medicine, der seit mehr als 40 Jahren im Bereich der Kinderpsychiatrie tätig und Mitautor der Studie ist.

"Wir wissen, dass die Langzeitanwendung dieser Antidepressiva nicht ohne Risiko ist, und weitere Forschungsergebnisse, insbesondere für derzeitige Langzeitkonsumenten, sind gerechtfertigt, um ein angemessenes Nutzen-Risiko-Verhältnis für Patienten sicherzustellen", sagte Safer.

Burcu und seine Kollegen hoffen, dass ihre Studie den Weg für weitere Forschungen zu den biologischen Mechanismen ebenen, die einen Zusammenhang zwischen Antidepressiva und einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen erklären können. Darüber hinaus wünschen sie, dass ihre Ergebnisse dazu genutzt werden, die Patienten gut zu überwachen und zu gewährleisten, dass diese Medikamente sowohl sicher als auch effektiv eingesetzt werden.

Quelle: News Medical, University of Maryland, JAMA Pediatrics

07.12.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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