Zu viel Tablet & Co. wirkt sich negativ auf Schulreife aus

Eine umfassende australische Studie liefert erneut Argumente, die gegen einen übermäßigen Bildschirmgebrauch bei Kleinkindern sprechen. Untersuchungen der University of South Australia (UniSA) zeigen, dass die häufige Beschäftigung mit diesen Medien im Vorschulalter zu Entwicklungsverzögerungen führen kann.

„Ein Hinterherhinken bei den sozialen Fähigkeiten, mangelnde Konzentration, schlechte Problemlösungsfähigkeiten und Selbstregulierung sind Schlüsselkompetenzen für die Schulreife. Alle diese Fähigkeiten können sich bei übermäßigem Mediengebrauch nicht so entwickeln“, gibt Dr. Uwe Büsching, Kinder- und Jugendarzt und Vorsitzender der Stiftung Kind und Jugend des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) (stiftung-kind-und-jugend.de), zu bedenken. Er hat für den BVKJ auch einen Flyer zum achtsamen Mediengebrauch mit herausgegeben. Dort empfiehlt die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ), die Dachorganisation aller deutschen Verbände der Pädiatrie, Bildschirmmedien bei unter Dreijährigen ganz zu vermeiden.

Erst kürzlich ergab eine Studie britischer und schwedischer Forscher, die von „Nature - Scientific Reports“ veröffentlicht wurde, dass kleine Kinder (von einem Jahr bis zu dreieinhalb Jahren), die häufig Touchscreens verwenden, leichter ablenkbar sind als Gleichaltrige, die sich weniger mit dieser Technologie beschäftigen.

Spielen trainiert viele Fähigkeiten

Ob ein Kind reif für die Schule ist, entscheidet neben seinem körperlichen Entwicklungsstand, seiner Gesundheit, Denkfähigkeit, Motivation, seinen sozialen Fähigkeiten auch die Fähigkeit, aufmerksam dem Unterricht folgen zu können. „Entwicklungsgerechtes Spielen bereitet ein Kind besser auf die Schule vor als Informationen von Bildschirmen. Auch wenn es gerade zu Corona-Zeiten schwierig ist, dürfen Eltern Bildschirme nicht zur Kinderaufbewahrung überbeanspruchen“, warnt Dr. Büsching. Kinder sollen spielen und sich körperlich bewegen. Das gemeinsame Lesen einer Geschichte fördert z. B. die Sprachfähigkeiten des Kindes und stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kind. Viele Tipps und Anregungen gerade für die „Corona-Zeit“ erhalten Eltern unter: www.kinderaerzte-im-netz.de/MEDIATHEK/FAMILIENZEIT-GESUND-GESTALTEN.

"Der Umgang mit den Neuen Medien ist sicherlich - viele sagen leider - zu einem normalen Bestandteil des Alltags geworden, doch es sollte ein Gleichgewicht zwischen Medien und wirklichem Leben bestehen. Wirksame Wege müssen geschaffen werden, um Eltern über die nachteiligen Auswirkungen von zu viel Bildschirmzeit auf die Entwicklung ihrer Kinder zu informieren und zu warnen", so Dr. Büsching.

Entwicklungsstörung ist eine häufige Diagnose

Einer Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) zufolge gehören Entwicklungsstörungen (F8) zu den häufigsten Diagnosen. Demnach erhielten 17% der Heranwachsenden im Jahr 2017 die Diagnose „Entwicklungsstörung“. Dazu zählen Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache, der schulischen Fertigkeiten oder der Motorik.
Eine Allianz vieler Verbände der Kindergesundheit begleitet Eltern auf der Seite www.kinderaerzte-im-netz.de mit vielen Tipps und Anregungen durch die Corona-Zeit. Sie sollen helfen, Stress und Streit vorzubeugen, Kinder und Familien vielfältig mit Vorschlägen zur bildschirmunabhängigen Freizeitgestaltung zu informieren, um sie mit allen ihren Sinnen anzuregen, u.v.m. Die Newsletter beschäftigen sich jeweils auch mit Fragen zur aktuellen Situation.

Quellen: Zi, MedicalXpress/University of South Australia, AEDC, Nature - Scientific Reports
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

19.04.2021 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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