Was hat die Windpocken-Impfung bisher gebracht?

Seit die Ständige Impfkommission im Jahr 2004 allen Kindern unter zwei Jahren eine Impfung gegen Windpocken empfohlen hat, sind leichte und schwere Erkrankungen durch Windpocken-Viren vor allem bei Kindern unter 10 Jahren deutlich seltener geworden. Aufgrund internationaler Erfahrungen mit der Impfung wird seit 2009 mit zwei Dosen geimpft.

Langsam aber stetig steigende Impfraten
Es dauert immer einige Jahre, bis eine neue Impfempfehlung bundesweit angenommen wird. Der Anteil der Zweijährigen, die die erste Windpocken-Impfung erhalten haben, stieg in den ersten sechs Jahren auf über 85%. Im selben Zeitraum (bis 2011) hatten bis zur Einschulung über 45% aller Kinder auch die zweite Impfung erhalten. Zwei Jahre später, 2013, waren es schon etwas über 75%.

Harte Fakten
Wissenschaftler des Robert Koch-Institutes haben jetzt überprüft, ob durch die Impfung tatsächlich weniger Menschen krank werden. Sie verglichen, wie viele Patienten vor und nach Einführung der Impfung aufgrund einer schweren Windpocken-Infektion im Krankenhaus behandelt werden mussten. Dafür haben sie Krankenhausdaten aus den Jahren vor Impfbeginn (1995-2003) mit ebensolchen Daten aus den Jahren 2005-2012 verglichen. Bei Ein- bis Vierjährigen gingen schwere Erkrankungen aufgrund einer Infektion mit Windpocken-Erregern um knapp ein Drittel (27%) zurück, bei den Fünf- bis Neunjährigen, von denen relativ viele noch ungeimpft waren, nahmen schwere Erkrankungen immerhin noch um rund 15% ab. Sogar bei Babys unter einem Jahr, die selbst noch nicht geimpft werden, gingen Krankenhausaufenthalte aufgrund von schweren Windpocken-Infektionen um fast ein Fünftel (18%) zurück. Dieser indirekte Schutz wird Herdenimmunität genannt.

Andere Untersuchungen bestätigen diese Ergebnisse. So berichten deutsche Arztpraxen, die an einem Überwachungsnetzwerk für Windpocken teilnehmen, dass zwischen 2005 und 2012 Komplikationen durch Windpocken um 93% zurückgegangen sind.

Zukunftsaussichten
Wie sich die Windpocken-Impfung langfristig auswirkt, wird in den kommenden Jahren weiter sehr genau beobachtet. Fest steht aber schon jetzt, dass sie Kinder vor schweren Erkrankungen schützt. Komplikationen durch Windpocken sind zwar vergleichsweise selten, aber für die davon betroffenen Kinder und ihre Eltern ist das kein Trost. Hat Ihr Kind schon beide Impfdosen erhalten?

Geimpft wird ab einem Alter von 11 Monaten. Bis zum zweiten Geburtstag sollen alle Kinder zwei Impfungen erhalten haben. Fehlende Impfungen sind bis zum Alter von 17 Jahren baldmöglichst nachzuholen.

Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder direkt an das Gesundes-Kind-Ärzteteam: www.gesundes-kind.de/faq/expertenrat.jsp.

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Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

 

Quellen:
Impfdaten von Zweijährigen in Deutschland aus Arztabrechnungen
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Impfstatus/kv-impfsurveillance/kvis_node.html

Daten der Schuleingangsuntersuchung 2011
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Impfstatus/schulanfaenger/ImpfstatusDeutschland2011.pdf

Daten der Schuleingangsuntersuchung 2013
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Impfstatus/schulanfaenger/ImpfstatusDeutschland2013.pdf

Berichtsband der 3. Nationalen Impfkonferenz 2013; Seite 18 und 19
www.nationale-impfkonferenz.bayern.de/doc/berichtsband_3nik_barrierefrei.pdf

Veröffentlichung: 22.04.2016 / HTR
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