Diphtherie

Krankheitsbild

Der Diphtherie-Erreger infiziert die Haut und die Schleimhäute. Gefährlich ist das Gift dieses Bakteriums, es kann den gesamten Körper schädigen, vor allem das Herz und die Nerven.

Am häufigsten ist die so genannte Rachendiphtherie. Sie führt zu Halsschmerzen, Fieber und Schwellung der Halslymphknoten. Als Folge der Giftwirkung können Herzmuskelentzündungen und Lähmungen auftreten.

Die Nasendiphtherie verläuft meist leichter. Sie ist häufig einseitig und kann gelegentlich chronisch werden.

Erkennung und Behandlung

Die Krankheitszeichen sind relativ typisch. Besteht der Verdacht auf Diphtherie, ist es wichtig, schnell zu behandeln. Der sichere Nachweis im Labor dauert mehrere Tage.

Übertragung und Vorkommen

Die Krankheitskeime werden wie eine Erkältung, z.B. beim Husten, Niesen oder Sprechen durch Tröpfcheninfektion übertragen, bei der Hautdiphtherie durch Kontakt. Selten ist die Infektion durch Kontakt mit Körperausscheidungen.

Das Diphtherie-Bakterium ist auf der ganzen Welt verbreitet.

Vorbeugung

Die Impfung bietet sicheren Schutz vor der Krankheit. Bei engem Kontakt zu Erkrankten können zusätzlich Antibiotika gegeben werden, um die weitere Übertragung des Erregers zu verhindern.

Impfstoff

Impfstoff zur Injektion (in der Spritze).

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei der ganzen Familie immer auf einen vollständigen Impfschutz. Am besten schauen Sie gleich mal in Ihre Impfpässe!

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild
Symptome und Verlauf

Die ersten Krankheitserscheinungen treten in der Regel zwei bis fünf Tage nach der Ansteckung auf.

Symptome sind Fieber, Halsschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Auf Mandeln, Zäpfchen und Gaumenbogen bildet sich ein fest haftender Belag. In schweren Fällen führen starke Schwellungen im Halsbereich zum so genannten "Cäsarenhals".

Die Kehlkopfdiphtherie äußert sich durch Beläge auf dem Kehlkopf mit Heiserkeit, Husten und Atemnot beim Ein- und Ausatmen. In schweren Fällen breiten sich die Beläge bis in die Luftröhre und in die Bronchien aus. Dabei kann als schwerwiegendste Folge der Tod durch Ersticken oder Kreislaufkollaps eintreten.

Spätkomplikationen, wie z.B. Herzmuskelentzündung, können auch noch Wochen nach der Erkrankung auftreten. Auch bei guter medizinischer Versorgung sterben noch etwa fünf bis zehn Prozent aller Erkrankten, bei schlechter Versorgung bis zu einem Viertel.

Die Haut- und Wunddiphtherie ist vor allem in den Tropen verbreitet. In westlichen Industrieländern trifft sie vorwiegend Risikogruppen wie z.B. Obdachlose, Alkoholiker oder Drogenabhängige.

 

Erkennung und Behandlung

Was den Erreger so gefährlich macht, ist die Bildung eines Giftes: das Diphtherie-Toxin, das in der Lage ist, infizierte Zellen abzutöten. Es ist ganz wichtig, dass Diphtherie früh erkannt wird, damit sich das Gift nicht im Körper an den Zellen festsetzen kann.

Ärzte erkennen eine typische Diphtherie am Krankheitsbild und am süßlichen Geruch. Schon bei Verdacht auf Diphtherie wird sofort mit Antiserum vom Pferd und mit Antibiotika behandelt. Atmungs- und Herzfunktionen müssen überwacht werden. Der Arzt/die Ärztin wird außerdem einen Abstrich ins Labor einschicken. Durch Anzucht auf einem Nährmedium kann dann der Erreger nachgewiesen werden.

 

Übertragung und Vorkommen

Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion oder durch direkten Kontakt mit einem Erkrankten. Die Diphtherie wird ausschließlich von Mensch zu Mensch weitergegeben. Auch bei Menschen ohne Krankheitserscheinungen, die aber das Bakterium in sich tragen, besteht die Möglichkeit sich anzustecken.

Die Diphtherie kommt weltweit vor. Während sie in den Industrienationen aufgrund der guten Durchimpfungsraten selten geworden ist, tritt sie in weiten Gebieten der so genannten Dritten Welt ständig auf. In der Regel sind dies Länder, in denen nicht oder nur unzureichend geimpft wird.

Die größte Epidemie der letzten Jahrzehnte trat in den Ländern der ehemaligen UdSSR auf. Dort gab es seit 1989 eine Zunahme auf mehr als 100.000 Krankheitsfälle jährlich mit Hunderten von Todesfällen in den Jahren 1994 und 1995. International unterstützte Massenimpfaktionen brachten diese massiven Krankheitsausbrüche unter Kontrolle. In den letzten Jahren kam es vor allem in Indonesien, Thailand und Laos zu großen Ausbrüchen.

In Deutschland traten in den letzten Jahren jährlich bis zu 15 Fälle auf. Die meisten Kinder erhalten eine vollständige Grundimmunisierung. Aber bereits bei den älteren Jugendlichen beginnen die Impflücken. Der Impfschutz deutscher Erwachsener ist sogar unzulänglich: Aktuellen Erhebungen zufolge haben 43 Prozent der Erwachsenen seit mindestens zehn Jahren keine Auffrischimpfung mehr erhalten.

 

Vorbeugung

Zur Vorbeugung gegen Diphtherie wird die Impfung empfohlen. Bei engem Kontakt zu Erkrankten können zusätzlich vorbeugend Antibiotika gegeben werden.

Impfung
Impfstoff

Der Impfstoff enthält das von den Diphtherie-Bakterien ausgeschiedene und auf chemischem Wege unschädlich gemachte Gift (Toxoid).

Für Kinder wird heute bevorzugt ein Sechsfach-Kombinationsimpfstoff eingesetzt, mit dem gleichzeitig gegen Tetanus, Keuchhusten, das Bakterium Hib, Kinderlähmung (Polio) und Hepatitis B geimpft wird. Auch für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden in der Regel Kombinationsimpfstoffe eingesetzt; so können die jeweils anstehenden Auffrischimpfungen z.B. gegen Tetanus, Kinderlähmung und Keuchhusten in einer Spritze gegeben werden. Die Impfstoffe für ältere Kinder (ab fünf oder sechs Jahren), Jugendliche und Erwachsene enthalten weniger Diphtherie-Toxoid.

 

Anwendung des Impfstoffs

Der Impfstoff wird in der Regel in den Muskel des Oberarms oder bei kleinen Kindern in den seitlichen Oberschenkel gespritzt. Falls erforderlich, können einige der Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden. Zur Grundimmunisierung im Kindesalter werden vier Teilimpfungen empfohlen: Die erste Impfung erfolgt mit vollendetem zweiten Lebensmonat, die zweite mit vollendetem dritten Lebensmonat und die dritte mit vollendeten vierten Lebensmonat. Die letzte Teilimpfung wird am Ende des ersten Lebensjahres gegeben (11. bis 14. Lebensmonat).

Auffrischimpfungen gegen Diphtherie werden im Alter von fünf bis sechs Jahren sowie im Alter von neun bis 17 Jahren, danach alle zehn Jahre durchgeführt. Auch wenn seit der letzten Impfung mehr als zehn Jahre vergangen sind, reicht eine einzige Impfung zur Wiederherstellung des Impfschutzes aus.

Bei Kindern, Jugendlichen und auch bei Erwachsenen kann eine solche Auffrischimpfung mit einem Kombinationsimpfstoff erfolgen. Es gibt Kombinationsimpfstoffe, die speziell zur Auffrischung zugelassen sind.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Mehr als 95 Prozent der ausreichend Geimpften entwickeln schützende Antikörper. Nach vollständiger Grundimmunisierung ist von einer Schutzdauer von mindestens zehn Jahren auszugehen. Kleinkinder benötigen höhere Impfdosen.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Diphtherie-Impfung ist eine allgemein von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von zwei Monaten. Auffrischimpfungen sind im Alter von fünf bis sechs Jahren, im Alter von neun bis 17 Jahren sowie alle zehn Jahre im Erwachsenenalter empfohlen.

Bislang Ungeimpfte oder unvollständig Geimpfte sollten die Impfung baldmöglichst nachholen. Vor jeder Auffrischimpfung nach dem Kleinkindalter sollte zudem der Impfschutz gegen Tetanus, Keuchhusten und Poliomyelitis geprüft werden. Stehen mehrere Impfungen bzw. Auffrischimpfungen an, gibt es meist einen Kombinationsimpfstoff, der alle erforderlichen Komponenten enthält. Auf ausreichenden Impfschutz ist auch zu achten, wenn das Infektionsrisiko erhöht ist, etwa bei Ausbrüchen, Kontakt zu Erkrankten oder Reisen in Infektionsgebiete.

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Bei bis zu einem Fünftel der Geimpften schmerzt die Impfstelle, schwillt an und rötet sich; gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe mit an. Sehr selten bildet sich ein kleines Knötchen an der Injektionsstelle. Gelegentlich kann es zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit kommen. Auch Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können auftreten. Nach wiederholten Impfungen sind diese Reaktionen etwas häufiger.

Wird Kombinationsimpfstoff mit Keuchhusten-Komponente verwendet, kann zudem selten die gesamte Gliedmaße anschwellen, in die geimpft wurde; und bei sehr jungen Kindern wurde nach der Impfung länger anhaltendes schrilles Schreien beobachtet. Selten tritt hohes Fieber auf (39,5 °C und mehr).

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Selten kommt es zu allergischen Reaktionen an der Haut oder an den Atemwegen. Wie bei vielen Impfstoffen ist in sehr seltenen Einzelfällen eine allergische Sofortreaktion möglich. Ebenfalls sehr selten sind Erkrankungen des Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark beschrieben worden. Dies äußerte sich z.B. durch Lähmungen, Missempfindungen, Erschöpfungszustände, Übererregbarkeit oder fortschreitende Ausfälle.

Wird Kombinationsimpfstoff mit Keuchhusten-Komponente verwendet, kann es in einzelnen Fällen im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf kommen. Er bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Ebenfalls in Einzelfällen kam es nach dieser Impfung zu einer hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE). Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück. Auch diese Kinder sollten vollständig geimpft werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter „Mögliche Nebenwirkungen“.

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