Meningokokken

Krankheitsbild

Meningokokken können vor allem Hirnhautentzündung und Blutvergiftung verursachen. Eine Erkrankung kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden.

Kopfschmerzen, Fieber und schweres Krankheitsgefühl sind oft erste Zeichen für eine Infektion mit dem Bakterium Neisseria meningitidis (Meningokokken), bei einer Hirnhautentzündung auch Erbrechen und Nackensteifigkeit. Später können rote Hautflecken hinzukommen. Auch eine Bewusstseinstrübung kann eintreten. In schweren Fällen drohen Herz-Kreislauf-Schock und der Tod.

Erkennung und Behandlung

Ärzte sichern die Diagnose durch Nachweis des Erregers aus Proben von Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) oder Blut. Behandelt wird mit Antibiotika.

Übertragung und Vorkommen

Die Bakterien werden durch direkten Kontakt oder durch Tröpfcheninfektion z. B. beim Husten und Niesen übertragen.

Der Erreger ist weltweit verbreitet. Experten unterscheiden verschiedene Untergruppen, so genannte Serogruppen, mit Buchstaben, z. B. A, C oder Y.

Vorbeugung

Den bestmöglichen Schutz vor Erkrankung bietet die Impfung. Enge Kontaktpersonen von Meningokokken-Kranken können vorbeugend Antibiotika und zusätzlich eine postexpositionelle Impfung erhalten, falls sie gegen den beteiligten Meningokokken-Typ nicht geimpft sind.

Impfstoff

Zum Schutz vor Erkrankung stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung, die sich gegen eine oder mehrere Meningokokken-Serogruppen richten.

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie auf einen möglichst frühzeitigen Schutz für Ihre Kinder (Meningokokken-C-Impfung).

Vor Fernreisen oder einem längerem Schüler- bzw. Studentenaustausch kann die Impfung gegen weitere Meningokokken-Serogruppen (z.B. A, B, Y) für Sie oder Ihre Kinder ratsam sein.

Ihr Arzt/Ihre Ärztin oder Gesundheitsamt berät Sie, ob Sie selbst zu einer Risikogruppe gehören, die auch innerhalb Deutschlands geimpft sein sollte.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

>> Kostenerstattung für Impfungen außerhalb des Impfkalenders

Krankheitsbild
Symptome und Verlauf

Meningokokken-Infektionen werden durch das Bakterium Neisseria meningitidis ausgelöst und sind hoch gefährlich, da sie innerhalb weniger Stunden zum Tode führen können.

Meningokokken können sich im Nasen-Rachen-Raum ansiedeln. Aus unbekannten Gründen dringen die Bakterien gelegentlich durch die Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums hindurch in die Blutbahn ein. Ärzte sprechen dann von einer invasiven Infektion. Die Krankheit beginnt oft mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und Erbrechen. Eine invasive Infektion kann zu einer Blutvergiftung führen (Bakteriämie, Sepsis).

Diese kann folgenlos abheilen. Im schlimmsten Fall gelangen die Neisserien aber mit dem Blut in andere Organe und/oder sie beeinflussen die Blutgerinnung. Folgen sind Blutungen und Blutgerinnsel in allen Organen, oft schießen plötzlich roten Flecken in der Haut auf. Es kann zum Organversagen, besonders von Nieren und Leber und zu Herz-Kreislauf-Versagen kommen.

Bei der schwersten Verlaufsform, dem so genannten Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, kommt es zur Blutvergiftung mit Nebennierenversagen und Herz-Kreislauf-Kollaps. Diese schweren Fälle enden häufig tödlich, selbst wenn frühzeitig Antibiotika und Intensivmedizin zum Einsatz kommen.

Als Zeichen einer Hirnhautentzündung (Meningitis) treten später Nackensteife und Bewusstseinsstörungen auf. Auch Lähmungen der Augen und der Gesichtsmuskulatur sind möglich, ebenso Krampfanfälle. Die Krankheit verläuft sehr rasch. Nackensteife, der nicht wegdrückbare Hautausschlag und Bewusstseinstrübung sind schon späte Alarmzeichen.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Krankheitszeichen oft weniger deutlich. Es können Fieber, Erbrechen, Reizbarkeit oder auch Schläfrigkeit, Krämpfe, Aufschreien sowie eine vorgewölbte oder harte Fontanelle (das ist die Spalte zwischen den Schädelplatten von Säuglingen) auftreten. Die Nackensteifigkeit kann fehlen.

Die Erkrankung führt bei 10 bis 20 Prozent aller Betroffenen zu Komplikationen bis hin zum Tod.

Dabei kann es nach einer Hirnhautentzündung unter anderem zu Hirnnervenlähmungen, Krampfanfällen, geistigen Einschränkungen oder Schädigungen des Innenohrs bis zur Taubheit kommen. Komplikationen nach einer Blutvergiftung reichen bis zum Absterben von Gliedmaßen, die dann amputiert werden müssen. Die Sterblichkeit bei Meningokokken-Meningitis liegt in Deutschland bei ca. 1 Prozent, bei einer Sepsis bei ca. 13 Prozent und an einer Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom verstirbt etwa jeder Dritte.

 

Erkennung und Behandlung

Da die ersten Anzeichen der Erkrankung oft schwer zuzuordnen sind, sichern Ärzte die Diagnose durch Nachweis des Erregers aus Proben von Hirnwasser (Liquor) oder Blut.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind oder Sie selbst an Meningitis leiden, warten Sie nicht, bis rot-violette Hautflecken auftreten. Suchen Sie sofort einen Arzt/eine Ärztin oder eine Klinik auf!

Gegen die Meningokokken-Bakterien werden Antibiotika eingesetzt. Meist handelt es sich um Penicillin G oder Cefalosporine der dritten Generation.

 

Übertragung und Vorkommen

Meningokokken kommen überall auf der Welt vor.

Die Bakterien finden sich im Nasen-Rachen-Raum des Menschen. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Menschen beherbergen vorübergehend oder längerfristig den Erreger, ohne jedoch zu erkranken.

Die Bakterien werden durch direkten Kontakt oder durch Tröpfcheninfektion, also beim Sprechen, Husten und Niesen von Mensch zu Mensch übertragen. Dafür ist jedoch enger Kontakt notwendig. Außerhalb des Körpers sterben die Bakterien rasch ab.

Es existieren verschiedene Serogruppen (= Erregerstämme), die mit verschiedenen Buchstaben gekennzeichnet werden. Die Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursachen fast alle Meningokokken-Erkrankungen weltweit. Jedoch sind sie regional ganz unterschiedlich verteilt.

Außerdem unterliegt die Verbreitung der verschiedenen Serogruppen ständigen Veränderungen und ist schwer vorhersehbar.

In westlichen Industrieländern werden die meisten Meningokokken-Erkrankungen durch die Gruppen B und C verursacht, in den USA aber auch 20 bis 30 Prozent durch die Serogruppe Y.

Zu großen Epidemien, vor allem durch Meningokokken A, aber auch durch W und X, kommt es immer wieder im so genannten "Meningitisgürtel" der Subsaharazone (siehe Karte) und in Asien. Ausbrüche durch Meningokokken B traten in den letzten Jahrzehnten in Europa (Island, Norwegen, Irland, Spanien, den Niederlanden), den USA, Mittelamerika und Neuseeland auf.

In Deutschland wird in den letzten Jahren ein Rückgang der Häufigkeit beobachtet. Im Jahr 2014 erkrankten 275 Menschen an einer invasiven Meningokokken-Infektion, davon 71 Prozent ausgelöst durch die Serogruppe B und 17 Prozent durch Serogruppe C.

Meningokokken Y und W verursachten zusammen knapp 12 Prozent der invasiven Erkrankungen. Betroffen sind meist Kleinkinder unter fünf Jahren, ein weiterer kleinerer Erkrankungsgipfel liegt im Jugendalter. Seitdem eine Impfung gegen Menigokokken C empfohlen wird, hat sich der Anteil der Erkrankungen durch diesen Erreger vor allem bei Kleinkindern verringert.

 

Vorbeugung

Zum längerfristigen Schutz stehen Impfungen zur Verfügung. Wer direkten Kontakt zu einem Patienten hatte, der schwer an einer Meningokokken-Infektionen erkrankt ist, erhält vorsorglich Antibiotika, um den Erreger zu eliminieren und eine Impfung gegen den beteiligten Meningokokken-Typ.

Impfung
Impfstoff

Für die Routineimpfung aller Kinder gegen Meningokokken C wird ein so genannter konjugierter Impfstoff verwendet. Bei diesem sind die Teile der Bakterienhülle zusätzlich an ein Eiweiß gebunden. So verändert, ist dieser Impfstoff in der Lage, auch das Immunsystem eines Kleinkindes anzuregen und somit einen Impfschutz aufzubauen. Dieser Impfstoff ist ab einem Alter von zwei Monaten zugelassen.

Kinder ab dem ersten Geburtstag können bei Bedarf auch mit einem konjugiertem Impfstoff geimpft werden, der Meningokokken A, C, W und Y enthält.

Seit dem Jahr 2013 steht auch ein neuartiger Impfstoff gegen Meningokokken B zur Verfügung, der ab einem Alter von zwei Monaten zugelassen ist. Die Meningokokken-B-Impfung wird derzeit in Deutschland von der Ständigen Impfkommission STIKO nicht standardmäßig empfohlen, kann aber für Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko sinnvoll sein (siehe unten "Wer geimpft sein sollte"). Der Impfstoff enthält verschiedene Bestandteile des Bakteriums Neisseria meningitidis Serogruppe B, z.B. Eiweiße oder Teile seiner Hülle.

 

Anwendung des Impfstoffs

Die Impfstoffe werden in der Regel in einen Muskel gespritzt. Für die von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlene Standardimpfung zum Schutz von Kleinkindern gegen Meningokokken C wird zu Beginn des zweiten Lebensjahrs eine einmalige Injektion mit Konjugatimpfstoffverabreicht. Auch bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen reicht eine einmalige Impfung aus.

Besonders gefährdete Kleinkinder können schon vor dem ersten Geburtstag mit Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff geimpft werden.

Ab einem Alter von zwei Jahren können besonders infektionsgefährdete Personengruppen eine Impfdosis ACWY-Konjugatimpfung erhalten.

Falls eine Impfung gegen Meningokokken B sinnvoll ist (siehe "Wer geimpft sein sollte"), erfolgt die Grundimmunisierung im Alter von zwei bis fünf Monaten in drei Dosen. Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene erhalten zur Grundimmunisierung zwei Dosen. Kinder, die bis zu einem Alter von zwei Jahren grundimmunisiert wurden, sollten eine Auffrischimpfung erhalten. Zur Notwendigkeit einer Auffrischung bei Personengruppen, die in einem späteren Alter erstmalig geimpft wurden, liegen keine Angaben vor.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Groß angelegte Impfprogramme gegen Meningokokken C bei Kindern und Jugendlichen haben beispielsweise in England Erkrankungen durch diesen Erreger fast zum Verschwinden gebracht. Auch in Deutschland gibt es dafür erste Hinweise.

Je nach Alter des Geimpften und Serogruppe werden von 65 bis 100 Prozent der mit Konjugat-Impfstoff Geimpften schützende Antikörper gegen A,C,W und Y, gebildet.

Nach einer Grundimmunisierung gegen Meningokokken B weisen 84 bis 100 Prozent der Geimpften schützende Antikörper auf.

 

Wer geimpft sein sollte
Impfung gegen Meningokokken C

Die Impfung gegen Meningokokken C ist eine allgemein von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder möglichst früh nach dem ersten Geburtstag.

Falls diese Impfung versäumt wurde, sollte sie baldmöglichst bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

ACWY-Impfung

Die Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y wird in Deutschland von der STIKO für Menschen mit erhöhtem Risiko empfohlen. Dazu zählen insbesondere gesundheitlich besonders gefährdete Personen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche (z.B. bei fehlender Milz) sowie gefährdetes Laborpersonal und Reisende.

Eine Impfung mit ACWY-Konjugatimpfstoff wird empfohlen für Reisende in Länder, in denen diese Infektionen regelmäßig auftreten, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, ebenso für Pilgerreisende nach Mekka. Auch Schüler/innen oder Studierende sollten sich vor Langzeitaufenthalten in Länder mit entsprechender Impfempfehlung impfen lassen. Für Reiseimpfungen sind die Länderinformationen bzw. Impfempfehlungen und Einreisebestimmungen des Ziellandes zu beachten.

Impfung gegen Meningokokken B

Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung für Personen mit erhöhtem Risiko zusätzlich zu einer Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y. Dazu zählen insbesondere Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Sie dazu individuell beraten. Auch Menschen, die beruflich mit dem Erreger in Kontakt kommen können (z.B. Laborpersonal) wird eine Impfung gegen Meningokokken B angeraten.

Impfung bei Krankheitsfällen

Ungeimpfte enge Kontaktpersonen im Haushalt von Erkrankten mit einer invasiven Meningokokken-Infektion durch die Erregertypen A, C, W, Y oder B sollten zusätzlich zu einer Antibiotika-Gabe so bald wie möglich eine entsprechende postexpositionelle Impfung erhalten.

Bei Ausbrüchen oder regionalen Häufungen können von den Gesundheitsbehörden zusätzliche Empfehlungen ausgesprochen werden.

Anmerkung:
Die vorhandenen Impfstoffe schützen nicht vor jedem Meningokokken-Typ, sondern nur gegen die im Impfstoff enthaltenen Serogruppen. Erkrankungen durch andere Serogruppen sind jedoch sehr selten.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Häufig kommt es an der Impfstelle zu einer Rötung oder Schwellung, die schmerzen oder sich verhärten kann. Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl, Reizbarkeit, Schläfrigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Sehr selten können allergische Reaktionen wie Nesselsucht bis hin zum allergischen Schock auftreten. In Einzelfällen kann es auch zu (Fieber)Krämpfen kommen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

08.02.2017 / MK
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