Entwicklungsschritte im ersten Lebensjahr

Das erste Lebensjahr ihres Kindes ist für Eltern eine besonders spannende Zeit. Fast wöchentlich sind Fortschritte in der motorischen, sozialen und sprachlichen Entwicklung zu bestaunen.

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©Natalia Deriabina - fotolia.com

In keinem anderen Lebensabschnitt wächst und entwickelt sich ein Kind so rasant wie in den ersten zwölf Monaten. Der Säugling verdoppelt sein Geburtsgewicht bis zum 5. Lebensmonat und verdreifacht es bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Mit zwölf Monaten misst die Körperlänge etwa um die Hälfte mehr als bei Geburt. Das Gewicht des Gehirns verdoppelt sich in dieser Zeit und entsprechend rasch wächst der Kopfumfang, der im ersten Vierteljahr fast 2 cm pro Monat und im Alter zwischen einem halben und einem dreiviertel Jahr noch etwa 0,5 cm pro Monat zunimmt.

Neben diesem schnellen Wachstum hat der Säugling eine Fülle an Anpassungs- und Entwicklungsaufgaben zu bewältigen: Das Neugeborene muss eigenständig atmen und das Verdauungssystem anpassen, nach und nach muss der Säugling einen Schlaf-Wach-Rhythmus finden. Im Zusammenspiel von biologischer Reifung des Körpers und der Organe, Anregungen durch die Umwelt und eigenen Erfahrungen entwickeln sich die Grob- und Feinmotorik sowie sprachliche und soziale Fähigkeiten.

Die Entwicklungsschritte in den verschiedenen Bereichen folgen keinem starren Schema und das Tempo, in dem diese erreicht werden, kann individuell stark variieren. Einige Anhaltspunkte für alterstypische Entwicklungsstufen gibt die folgende Übersicht:

 

Motorische Entwicklung

1. Monat

Such- und Saugreflex, Klammer- und Greifreflex, Beugung der Arme und Beine zum Körper hin, Fäusteln der Hände

4. bis 5. Woche

Heben des Kopfes in Bauchlage für wenige Sekunden, spontane Öffnung der Hände

3. bis 4. Monat

Halten des Kopfes, in Bauchlage Abstützen auf den Unterarmen und Heben des Kopfes, Beginn, gezielter zu greifen

6. bis 7. Monat

in Bauchlage Aufstützen auf den Handflächen, Gegenstände werden mit beiden Händen ergriffen und in den Mund gesteckt, Wechsel von Spielzeug zwischen den Händen

7. bis 9. Monat

Drehen von Rücken- in Bauchlage, Beginn der eigenständigen Fortbewegung (Kriechen, Robben), Beginn, das freie Sitzen zu erlernen, Beginn, Gegenstände mit Daumen und Zeigefinger zu fassen

10. bis 12. Monat

Krabbeln, selbständiges Aufsetzen und sicheres freies Sitzen, Hochziehen in den Stand und Laufen an Möbeln entlang, Fassen kleinerer Gegenstände mit Daumen- und Zeigefingerkuppen

 

Soziale und sprachliche Entwicklung

4. bis 5. Woche

Folgen eines Gegenstandes mit den Augen, aufmerksames Schauen auf nahe Gesichter

6. bis 8. Woche

Rachen- und Kehlkopflaute (Gurren)

3. bis 4. Monat

intensiver Blickkontakt, Lächeln von Bezugspersonen wird erwidert, Kontaktaufnahme durch Blick, Mimik, Gesten und Laute

6. bis 7. Monat

unterschiedliches Verhalten gegenüber bekannten und unbekannten Personen (Fremdelphase), stimmhaftes Lachen, Bildung rhythmischer Silbenketten (z.B. „dei-dei-dei“)

10. bis 12. Monat

Wechselspiel mit Bezugspersonen (z.B. mit den Fingern oder Bauklötzen), Nachahmen von Lauten, spontane Äußerung längerer Silbenketten, Bilden von Doppelsilben (z.B. „da-da“), gegen Ende des ersten Lebensjahrs Verwendung erster Wörter wie „Mama“ und „Papa“

 

 

Für Eltern ist es eine verantwortungsvolle Aufgabe, die gesunde Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Nützliche Tipps finden Sie zum Beispiel im Internetportal www.kindergesundheit-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

 

U-Untersuchungen geben Sicherheit

Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus, in dem es einzelne Fähigkeiten erwirbt. Einige Kinder sind beispielsweise schon früh motorisch sehr geschickt, benötigen aber für den Spracherwerb etwas mehr Zeit oder umgekehrt. Das kann Eltern manchmal sehr verunsichern. Wenn Sie sich sorgen, ob Ihr Kind sich altersgemäß entwickelt, finden Sie Rat und Unterstützung bei Ihrem Kinderarzt bzw. Ihrer Kinderärztin.

Im ersten Lebensjahr hat Ihr Kind Anspruch auf die U-Untersuchungen U1 bis U6. Diese und die weiteren Früherkennungsuntersuchungen sind wichtige Chancen, Auffälligkeiten in der kindlichen Entwicklung und Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, damit Ihr Kinder- und Jugendarzt bzw. Ihre Ärztin eine erforderliche Behandlung oder gezielte Förderung rechtzeitig in die Wege leiten kann.

 

Wichtige Impfungen im ersten Lebensjahr

Zu den wichtigsten vorbeugenden medizinischen Maßnahmen zählen Impfungen. Konsequente Impfungen sind der beste Weg, um Ihr Kind vor zahlreichen schweren Infektionskrankheiten zu schützen, die eine gesunde Entwicklung beeinträchtigen und in manchen Fällen lebensbedrohlich werden könnten.

Um einen möglichst frühzeitigen Impfschutz schon für Säuglinge zu erreichen, die oft besonders gefährdet sind, empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO folgende Grundimmunisierungen:

  • Rotavirus-Impfung ab einem Alter von sechs Wochen,
  • Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B ab einem Alter von zwei Monaten,
  • Impfungen gegen Pneumokokken ab einem Alter von zwei Monaten,
  • Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln sowie Windpocken (Varizellen) ab einem Alter von 11 Monaten,
  • Impfung gegen Meningokokken C im Alter von 12 Monaten.

 

Eine Übersicht über das Impfprogramm für alle Altersgruppen gibt der Impfkalender, ausführliche Informationen zu den Infektionskrankheiten und den Schutzimpfungen finden Sie unter „Impfungen“.

Lassen Sie sich von unserem Erinnerungsservice an die U-Untersuchungen und Impfungen für Ihr Kind erinnern!

 

03.05.2017 / MK
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