Mögliche Nebenwirkungen

"Wird es meinem Kind auch gut gehen?", "Tue ich hier wirklich das Richtige?" - Solche oder ähnliche Gedanken haben die meisten Eltern, wenn sie ihren erst zwei Monate alten Säugling impfen lassen – zumal der Protest des kleinen Patienten manchmal unüberhörbar ist.

Diese Gefühle sind ganz normal, schließlich sorgen Sie sich als Eltern Tag und Nacht um das neue Leben in Ihrer Mitte, und zu Beginn seines Aufenthaltes auf dieser Welt ist Ihr Kind ganz besonders schutzbedürftig.

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Ängste und Schmerzen beim Impfen verringern

Der Schmerz während der Impfung ist zwar meist weniger schlimm als befürchtet – dennoch kann der Einstich Ihr Baby erschrecken und ältere Kinder kann die Spritze in Angst und Panik versetzen. Diese Tipps helfen Ängste und Schmerzen Ihres Kindes zu verringern:

  • Vermitteln Sie möglichst Ruhe und Gelassenheit. Vermeiden Sie falsche Versprechungen (z.B. „Das tut überhaupt nicht weh!“).
  • Halten Sie Ihren Säugling oder Ihr Kleinkind während der Impfung im Arm oder auf dem Schoß. Sie können Ihr Baby stillen oder ihm einen Schnuller geben. (Unmittelbar vor und nach der Rotavirus-Impfung sollte jedoch nicht gestillt werden). Nach dem Impfen können Sie Ihr Kind durch Wiegen und Schaukeln beruhigen.
  • Ältere Kinder sollten bei der Impfung möglichst aufrecht sitzen, je nach Alter am besten auf Ihrem Schoß. Wer schon einmal bei einer Impfung aus Angst vor der Injektion oder nach langem Stehen „umgekippt“ ist, sollte im Liegen geimpft werden.
  • Das Drücken der Hand von Vater und Mutter während der Impfung, Spielzeug oder auch das Aufblasen eines Luftballons direkt vor und nach der Impfung kann von den Schmerzen ablenken.

 

Was sind Nebenwirkungen?

Durch Impfungen können Sie Ihr Kind schon früh vor verschiedenen Infektionskrankheiten schützen. Die Sorge vor möglichen Impfreaktionen ist aber verständlich. Impfstoffe sind verträgliche Arzneimittel, sie können jedoch wie alle Medikamente Nebenwirkungen haben. Welche dies sind und wie Sie sich im Verdachtsfall am besten verhalten, erläutern wir Ihnen nachfolgend.

Häufig kommt es zu vorübergehenden Impfreaktionen, die zeigen, dass der Organismus sich mit dem Impfstoff auseinandersetzt (weitere Informationen unter "Wie Impfungen wirken"). Zu den Lokal- und Allgemeinreaktionen nach einer Impfung zählen:

  • Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Impfstelle, die meist ein bis drei Tage andauern
  • Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein, Übelkeit oder Unruhe, die ebenfalls ein bis drei Tage anhalten
  • Schwellungen der Lymphknoten in der Nähe der Impfstelle
  • Anzeichen einer „Impfkrankheit“ ein bis drei Wochen nach der Verabreichung abgeschwächter Lebendimpfstoffe, beispielsweise ein Hautausschlag nach Masern-, Mumps-, Röteln- und Windpocken-Impfung oder milde Magen-Darm-Beschwerden nach Rotavirus-Impfung.  

Über das Ausmaß einer üblichen Impfreaktion hinausgehende gesundheitliche Schädigungen werden als Impfkomplikationen bezeichnet. Diese sind wesentlich seltener. Unter „Schutzimpfungen“ sind für jede Impfung die möglichen Nebenwirkungen aufgeführt.

 

Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung

Wenn nach einer Impfung jemand gesundheitliche Beschwerden hat, wird oft angenommen, die Impfung sei die Ursache. Das kann sein. Ein zeitlicher Zusammenhang bedeutet jedoch nicht unbedingt einen ursächlichen Zusammenhang. Unzählige Menschen bekommen Tag für Tag Fieber oder Durchfall oder brechen sich ein Bein – und viele von ihnen sind zuvor geimpft worden. Die Frage ist nicht, ob nach einer Impfung unerwünschte Ereignisse wie Krankheiten auftreten, sondern ob es nach Impfungen vermehrt zu solchen Ereignissen kommt und ob sich diese aus dem Wirkmechanismus des Impfstoffs erklären lassen oder aufgrund einer besonderen „Empfindlichkeit“ des Geimpften auftreten. Nur dann kann angenommen werden, dass es sich um eine Nebenwirkung der Impfung handelt.

Bei Verdacht auf eine Impfkomplikation ist unbedingt eine sofortige ärztliche Abklärung und Diagnostik in die Wege zu leiten.

 

Mögliche Folgen bei fehlerhafter Impftechnik

Bei Impfungen sind grundsätzlich auch Entzündungen, Blutungen oder Verletzungen z.B. eines Nerven möglich, wenn die Impftechnik fehlerhaft war. Gelangt Diphtherie- oder Tetanus-Impfstoff unmittelbar vor dem Einstich außen an der Impfnadel und somit in den Stichkanal, können in Einzelfällen harmlose Knötchen an der Injektionsstelle entstehen, die Sie über Wochen bis Monate bei Ihrem Kind fühlen.

Wie Sie aus eigener Erfahrung und aus Ihrem Bekanntenkreis wissen, kommen solche Fehler aber praktisch nicht vor. Kinderärzte und -ärztinnen sind speziell im Impfen ausgebildet und verabreichen täglich viele Injektionen.

 

Was ist mit Allergien?

Allergien nehmen zu und Sie als Eltern möchten natürlich alles tun, um Ihrem Kind dieses Leiden zu ersparen. Wir haben gute Nachrichten für Sie:

Es gibt keine Belege dafür, dass Impfstoffe Erkrankungen wie Asthma oder Heuschnupfen begünstigen. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Studien haben gezeigt, dass in der ehemaligen DDR, wo sehr viel geimpft wurde, deutlich weniger Allergien auftraten als im ehemaligen Westdeutschland, wo weitaus weniger geimpft wurde. Nach der Wende nahmen in Ostdeutschland Allergien zu, während gleichzeitig die Impfquoten sanken.

Heuschnupfen, Hausstauballergie, Milchunverträglichkeit - alle diese häufigen Allergien spielen beim Impfen keine Rolle. Ebenso spricht eine Hühnereiweiß-Allergie nicht grundsätzlich gegen Impfungen. Vorsicht geboten ist allerdings, wenn Ihr Kind an einer nachgewiesenen schweren Hühnereiweiß-Allergie leidet, so dass beispielsweise Zunge und Lippen anschwellen, wenn sie mit Ei in Berührung kommen. Dieser Typ Allergie ist jedoch sehr selten. Impfungen gegen Gelbfieber, Influenza (Virusgrippe), FSME und Tollwut sollten dann nicht bzw. unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und besonderer Überwachung erfolgen. Sie sollten in diesem Fall vorab mit Ihrem Impfarzt oder Ihrer Impfärztin Rücksprache halten.

Auch wenn eine bestätigte Allergie gegen Antibiotika vorliegt, sollten Sie vor einer Impfung mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin darüber sprechen.

Eine Studie bei Erwachsenen hat ergeben, dass schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie) auf Bestandteile eines Impfstoffs nur in einer Größenordnung von einer Reaktion auf 300.000 Geimpfte auftreten; solche schweren Reaktionen sind somit eine Rarität. Sie setzen in der Regel sofort nach der Injektion ein oder innerhalb der ersten Stunde.

 

Was tun bei Verdacht auf Nebenwirkungen?

Wenn Sie nach einer Impfung ungewöhnliche Krankheitszeichen bei Ihrem Kind beobachten, nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Kinderarzt bzw. Ihrer -ärztin auf. Damit Ihr Kind die richtige medizinische Hilfe erhalten kann, wird abgeklärt, ob die Beschwerden möglicherweise auf die Impfung zurückzuführen sind oder ob andere behandlungsbedürftige Ursachen und Erkrankungen zugrunde liegen, die zufällig in zeitlicher Nähe zur Impfung aufgetreten sind.

Ärzte und Ärztinnen sind verpflichtet, jeden Verdacht auf eine Impfkomplikation an das Gesundheitsamt zu melden. Patienten bzw. bei minderjährigen Kindern die Sorgeberechtigten können einen Verdacht auf Nebenwirkungen auch selbst an das Paul-Ehrlich-Institut melden.  

Das Gesundheitsamt wird Betroffene auf die gesetzlichen Bestimmungen zur Entschädigung nach Impfschäden hinweisen. Unter einem Impfschaden werden schwere, eventuell auch bleibende Schäden verstanden, die von einer Impfung verursacht wurden. Solche Impfschäden sind extrem seltene Ereignisse.

Anerkennung eines Impfschadens

Der Staat möchte, dass sich seine Bürger gegen bestimmte Infektionskrankheiten durch Impfung schützen. Deshalb spricht er für diese Impfungen eine so genannte öffentliche Empfehlung aus. Im Gegenzug gewährt der Staat im Falle des begründeten Verdachts eines Schadens durch eine öffentlich empfohlene Impfung eine Entschädigung nach den Vorschriften des Bundesversorgungsgesetzes.

Für die Anerkennung als Impfschaden genügt es, dass dieser wahrscheinlich durch einen bestimmten Impfstoff verursacht wurde. Dies wird vom jeweiligen Landesversorgungsamt nach Prüfung der Fakten festgelegt. Selbst wenn sich die medizinische Fachwelt nicht einig ist, ob eine Nebenwirkung vorliegt, kann mit Zustimmung der zuständigen obersten Landesbehörde der Gesundheitsschaden als „Impfschaden“ anerkannt werden. Dies soll die Bürger dazu ermutigen, der öffentlichen Impfempfehlung zu folgen.
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